Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Krumbach
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Krumbach

News - Paper - Impuls/Andacht

aus Extrablatt der Mittelschwäbischen Nachrichten - 13.05.2020

I have a dream…

… diese Worte stehen auf meiner Mund-Nasen-Schutzmaske – auf blauem Hintergrund mit kleinen Segelbooten als Kontrast-Stoff auf der anderen Seite. Ja, davon träume wahrscheinlich nicht nur ich im Moment: irgendwo an einem Strand sein zu können, seinen Blick in der Weite des Meeres zu verlieren und einfach wieder einen anderen Horizont als die eigenen vier Wände sehen zu können. Es bleibt wohl erstmal noch nur ein Traum!

I have a dream – das sind die Worte, mit denen der berühmte Pfarrer Martin Luther King 1963 seinen Traum von einer Welt, in der Schwarze und Weiße friedlich miteinander leben können, ausdrückte. In den Südstaaten der USA, in denen die Rassentrennung zu dieser Zeit politisch gelebt wurde, eigentlich ein utopischer Traum! Doch es war ein Traum, der Wirkung zeigte, der etwas bewegt hat: die Rassentrennung wurde gesetzlich aufgehoben und das Wahlrecht für die schwarze Bevölkerung eingeführt.

Das ist das Großartige an Träumen: sie führen uns in eine neue Wirklichkeit, wenn wir an ihnen dranbleiben, wenn wir an sie glauben. In Träumen gewinnen Dinge oft eine ganz neue Wertigkeit, als sie sie in unserem Alltag haben. Da werden uns neue Perspektiven aufgezeigt, da gelten neue Werte. Denken Sie nur an den Traum des Josef, der sich eigentlich aus dem Staub machen wollte, als er hörte, dass seine Verlobte schwanger ist und das nicht von ihm! Im Traum erfährt er von Gott, dass es da noch mehr gibt als das herkömmliche Ehrgefühl.

Lassen Sie sich Ihre Träume nicht nehmen in dieser Zeit und vergessen Sie sie nicht, wenn uns der Alltag wieder hat: den Traum von weniger Flugverkehr und Schadstoffen in der Luft, den Traum von Begegnung und wahrer Nähe oder auch den Traum vom Alltag in der Schule! Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Ihre Träume bewahren!

Sobald es wieder gut möglich ist, werde ich mir einen meiner Träume erfüllen und dann geht es ab an die Ostsee oder Nordsee. Vielleicht sehen wir uns?

 

Agnes Weishaupt, Pfarrerin, Mitglied im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Krumbach.

aus Extrablatt der Mittelschwäbischen Nachrichten - 06.05.2020

 

Jetzt platzt mir gleich der Kragen

In diesen Zeiten passiert das bei mir öfter. Dieses Gefühl: „Jetzt platzt mir gleich der Kragen“. Es gibt so viele Fragen, so viel Ungewissheit momentan. Und ich kann so wenig dagegen tun.

Bild Marion Dinger

Diese Sorgen führen zu einem Grummeln im Bauch. Es ist eine negative Stimmung, die mir nicht gut tut. Es setzt sich fest, belastet mich, bedrückt mich. Und wenn dann mal der Kragen platzt, dann führt das nicht zu Erleichterung, sondern nur zu Streit. Meist mit Personen, die an der gesamten Situation gar nichts dafür können.

Im Buch Sirach lesen wir einen guten Rat: „Eifer und Zorn verkürzen das Leben und Sorge macht alt vor der Zeit“.  Nein, das möchte ich nicht – alt vor der Zeit, das klingt gar nicht gut.

Letzte Woche erzählte mir ein Bekannter, dass es ihm gerade oft genauso geht. Was er dagegen macht: Er geht im Wald spazieren, geht alles etwas ruhiger an und versucht positiv zu denken.

Dietrich Bonhoeffer schreibt vor 76 Jahren im Gefängnis: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Das ist heute so aktuell wie 1944.

Auch wenn vieles unsicher bleibt und ist, so dürfen wir doch wissen, dass es einen gibt, der mit uns durch diese Zeiten geht.

Bleiben sie geborgen, alles Gute und gute Nerven!

Marion Dinger, Religionspädagogin evangelische Kirchengemeinde Krumbach

aus Extrablatt der Mittelschwäbischen Nachrichten - 29.04.2020

 

Freude in Coronazeiten

 

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“ – das ist zur Zeit leichter gesagt als getan. Zwar haben sich die Ausgangsbeschränkungen deutlich gelockert – Spazierengehen, Joggen und Radfahren ist nun auch mit dem Freund oder der guten Bekannten gestattet; die Möglichkeiten zum Einkaufen wurden erweitert; sogar der Unterricht ist für bestimmte Klassen wieder erlaubt... Doch wird einem dabei gleich leicht und fröhlich ums Herz?

Im Hinterkopf bleibt die Mahnung von Fachleuten und Politikern: „Die Krise ist noch nicht vorbei. Es gilt weiter, vorsichtig sein. Jedes Zuviel oder Zufrüh an Kontakt gefährdet das Erreichte.“ Vor dem Hintergrund solcher Mahnungen stellt sich die Freude an der lieben Sommerzeit zaghafter ein als sonst.

Als der Dichter Paul Gerhard die Schönheit von Blumen, Bäumen, Bienen und Vögeln besungen hat, hat er allerdings nicht nur die sichtbare Schöpfung vor Augen gehabt. Für ihn zählt zu den Gottesgaben auch die Gabe der Freundlichkeit und Güte; die Fähigkeit zu geduldiger Nachsicht, Verständnis und eine heitere Gelassenheit. Solche „Pflanzen“ wachsen und gedeihen auch in diesen Tagen in uns und um uns. Sie sorgen dafür, dass wir - trotz Krise - Grund zur Freude finden.

Damit ich diese Gaben entdecke, muss ich mein Herz „ausgehen“ lassen: das sorgende Kreisen der Gedanken unterbrechen; mein inneres Jammertal verlassen. Am Besten mit einem Lied auf den Lippen – so wie Paul Gerhard es gemacht hat oder wie es viele andere derzeit tun, ob zu Hause, auf dem Balkon oder beim gemeinsamen Straßensingen. Geh aus, mein Herz, du findest Freud – auch in dieser Corona-Zeit.

 

Dekanin Claudia Schieder

Zangmeisterstraße 13

87700 Memmingen

 

 

aus Extrablatt der Mittelschwäbischen Nachrichten 22.04.2020

 

Durchkreuzte Pläne
Wie viele Pläne hatte ich für dieses Jahr: Pläne in der Familie, Urlaubspläne… Schöne Pläne, Dinge, auf die ich mich schon lange freue. Und nun? Manch eine schöne Feier, zu der wir einge-laden waren, ist sozusagen schon vorbei, ohne dass gefeiert wurde! Manches ist schon abgesagt und anderes wiederum steht auf der Kippe: Können wir oder können wir nicht…? Viele durch-kreuzte Pläne!
Ja, das ist die Sache mit dem Kreuz und der Auferstehung: sie kreuzen in das Leben der Men-schen hinein, durchkreuzen alles, was bisher gewesen war und stellen die bisherige Ordnung auf den Kopf! Ostern ist das Fest, das alles neu aufmischt: unsere Pläne und unsere vermeintli-chen Sicherheiten, aber auch unsere Ängste und Sorgen. Alles darf in einem neuen Licht gese-hen werden. Meine Pläne, die ich mir für mein Leben ausgedacht habe, werden unwichtig. Got-tes Plan vom Sieg des Lebens über den Tod überstrahlt alles. Das ist die Sicherheit, die mir in meinem Leben Halt gibt, nicht das, was ich mir an Eckpunkten für mein Leben ausgedacht ha-be, um mich daran festzuhalten.
Die momentane Situation führt mich täglich an die Grenzen meiner so schön zurechtgelegten Sicherheit. Jeden Tag erfahre ich aufs Neue, dass das, was gestern angedacht war, heute nicht mehr gilt. Meine Schüler hätten eigentlich am 30. April mit ihren Abiturprüfungen beginnen sollen, nach momentanem Plan startet das Abitur am 20. Mai. Die Abiturientinnen und Abitu-rienten müssen sich immer neu motivieren, sich vorzubereiten und zu lernen, wir Lehrer müs-sen immer wieder unsere Pläne, wie wir sie bestmöglich auf die Prüfungen vorbereiten, um-stellen. Durchkreuzte Pläne!
Ja, es ist anstrengend, mit der Ungewissheit zu leben, doch unsere jetzige Situation lehrt mich, meine Pläne durchkreuzen zu lassen und offen zu sein für den, der für mich sorgt!
Agnes Weishaupt, Pfarrerin, Mitglied im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Krumbach.

 

aus Extrablatt der Mittelschwäbischen Nachrichten 16.04.2020

 

„Steh auf wünsch dir was!“

Es ist 17.00 Uhr, ein weiterer Corona -Osterferientag liegt hinter mir. Heute lief die ganze Zeit Radio. Die neuesten Beschlüsse der Politik, neue Zahlen über Corona, jetzt muss ich dringend raus, um auf andere Gedanken kommen.

Foto: Marion Dinger

Ich schnüre meine Laufschuhe, im Ohr die Musik einer Playlist mit den Liedern der Toten Hosen und mache mich auf den Weg zum Oberrieder Weiher. Der Puls geht nach oben, nach einiger Zeit beginne ich mich mehr auf den Text der Lieder zu konzentrieren.

„Steh auf, wenn Du am Boden bist“, heißt es da. Am Boden, das sind gerade so viele. Ringsherum gibt es oft nur schlechte Nachrichten und es ist ungewiss, wie alles weiter geht. Es ist sonderbar zu Hause sein zu müssen, dieses Gefühl des Eingesperrt- seins, habe ich so noch nie erlebt. Eigentlich würden wir gerade in der Sonne am Gardasee sitzen. Klettern in Arco, das war der Plan. Nun also Ostern hier. Für so viele von uns kommt es gerade anders als geplant. Manche sind voller Ängste, andere haben Schwierigkeiten mit den persönlichen Einschränkungen.  Im Lied heißt es  „Steh auf!“   Auch das sehe ich hier um mich herum. Wir halten zusammen, es ist Zeit füreinander und miteinander. Es wird Lösungen geben.

Mittlerweile bin ich am Oberrieder Weiher angekommen. Ein kleines Stück Urlaub herrscht hier – der Kopf wird frei – wie schön. Und dann läuft weiter „Wünsch Dir was“. „Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft.“Ja das mache ich  - vieles geht mir durch den Kopf und ich wage den Blick in die Zukunft.  Denk daran, wie alles weitergehen wird. Und wünsche mir, dass es bald weitergeht.

Für uns Christen war letzte Woche Ostern. Das Fest der Auferstehung. Es ist eine Zeit des  Aufrichtens  und nach oben gerichtet sein, ein Fest nach „Steh auf, wenn Du am Boden bist“. Ein Fest voller Hoffnung. Darum lassen auch wir uns aufrichten – von lieben Menschen, guter Musik und der Botschaft von Ostern.

Marion Dinger

News - Paper - Impuls /Andacht       

Mittelschwäbische Nachrichten - 11.04.20 - Karsamstag

 

Von der Rolle …oder: Karfreitag und die Psycholgie des Toilettenpapiers?

 

Von der Rolle nimmt man … sie wissen schon - ein Paar Blättchen zum Säubern des Allerwertesten.  Sind die Deutschen von der Rolle? – frag ich mich, wenn ich im beim Einkauf  vor einem geplünderten Regal stehe, in dem kein Blättchen Topapier mehr zu ergattern ist.  3 Jahrzehnte beschäftige ich mich als Pfarrer jetzt mit der Seele und den Überzeugungen von Menschen. Aber das Horten von „ökograurauh“ oder „flauschigmehrlagig“ angesichts eines pandemischen Virus ist eine schwere psychologische Knobbelaufgabe.  Bei ihr – dieser Frage – bin ich  bisher noch nicht so recht auf einen grünen Zweig gekommen. Ich will es verstehen – denn gerade hinter der Psyche des Menschen liegt doch oft der „Glaube“ – die persönliche Lebensüberzeugung – das was uns unbedingt angeht - verborgen. Also – was bewegt die Seele des durchschnitttlichen deutschen Familienbürgers zum virulenten Vorratskauf eines Hygieneartikels?
Erst einmal unterscheidet der Einsatz dieses Papiers den Menschen vom Tier. Aber: beide ziehen sich zurück an einen verborgenen Ort – um ihre Notdurft in Ruhe und ungestört zu verrichten. Tier und Mensch wissen um diesen intimen Moment der Verletzlichkeit. Darum gehen sie an einen Ort abseits – einen „Ab-ort“. Genau so nannte meine Oma früher diesen Ort: „Abort“, wo das Topapier  4 eckig geschnittene Tageszeitung war. „Abort“ ist ein altes Wort für den Toilettenort. Die Krise des Coronavirus macht uns Angst vor Kontrollverlust.  Darum kaufen wir etwas – übrigens günstiges und gut erschwingliches – was uns den Eindruck gibt wir hätten als Mensch wenigstens dieses Intime im Griff und unter Kontrolle. Wir fürchten am stillen Örtchen in Not zu geraten. Die Käufe signalisieren: Ich will eine Garantie – ich will hier Selbstkontrolle und Sicherheit – wenigstens am Abort – um Mensch zu bleiben – meine persönliche Würde nicht zu verlieren – und „ohne“ da zu sitzen.

 

Karfreitag stirbt Jesus an einem „Ab-ort“. Er wird bloßgestellt - dargestellt und zur Schau gestellt. Das Kreuz ist der „Abort“ der Menschheit. Ein Jesus der im Namen Gottes für wahres Menschsein eintritt und der im Namen des Menschen mit seiner Gottheit bürgt – er verliert angesichts der großen Lebens- und Todeskrise seinen Glauben: Er schreit seine intimste Not hinaus in die Welt: Warum Gott hast Du mich verlassen? Seine Coronakrise ist das, was zum Himmel stinkt. Es sind die Fäkalien der Welt die ihn ans Kreuz bringen. Mammon. Ichsucht. Mißbrauch. Intrige. Alles was Beziehungen kaputtmacht. Beziehung des menschen zu sich. Beziehung von Mensch zu mensch. Beziehung von Mensch zu Gott. Das nimmt Jesus den Atem. Gott verliert in den Glauben an sich selbst. Tiefer geht es nicht mehr…Dafür liebt Gott sich selbst in dem Menschen Jesus zu Tode.

Aber der „Abor“t ist nicht der letzte Ort. Gott, der von sich als Arzt spricht, lässt die Reanimation und Beatmung  auf der Intensivstation gelingen. Er haucht Jesus neues Leben ein.
Dieser verläßt den „Abort“ und wird neu verortet. Er bricht in die alte stinkende Welt mit neuer Lebensenergie ein. Der Christus ist der erste einer Lebensbewegung die sich Christen nennt. Es sind zertifizierte Leute, diese Christen,  die ihre Sicherheit des Heils und Wohls in ihm bis heute gefunden haben und finden. Es sind Menschen, die die Zukunft im Blick haben. Sie sind sicher, dass es ein Exit nach der Krise geben wird – weil Gott größer ist – selbst wenn wir scheinbar den Glauben zu verlieren drohen. Es sind Christen, die eine soziale Ader der Nächstenliebe leben. Weil sie wissen : Der Dornengekrönte Christus lebt bis heute unter der Auferstehungskrone. Dieser Krone ist auch Corona unterlegen.

 

Ein gesegnetes Osterfest mit Zuversicht und Dankbarkeit für alles schöne in einer angespannten Welt wünscht Ihnen

Pfarrer Eugen Ritter.

 

aus Extrablatt der Mittelschwäbischen Nachrichten - 9.4.2020

Hut tragen?

Viele Tipps werden einem dieser Tage zu richtigem  Verhalten gegeben: So findet man im Internet den Vorschlag „Hänschen klein“ zu singen beim Händewaschen (macht Spaß und ist absolut sinnvoll, nicht nur in Zeiten von Corona!) oder einen Mundschutz selbst zu nähen, doch den Tipp, sich einen Hut aufzusetzen, habe ich noch nicht bekommen. Das wäre noch eine Idee! Ja, es wäre wirklich eine gute Idee, um am eigenen Körper zu spüren, zu fühlen, dass wir „behütet“ sind! Denn die Verunsicherung ist groß, die schlechten Nachrichten reißen nicht ab und viele sehen der Zukunft mit bangem Herzen entgegen: Was wird mit meiner Abschlussprüfung, meinem Arbeitsplatz oder unserer Wirtschaft? Da tut es gut zu wissen: Ich bin geborgen, was auch kommen mag. Ich weiß jemand bei mir, der stärker ist, der sich für mich einsetzt. Wir als Christen haben den Gott des Lebens hinter uns. Ostern ist das Fest des Lebens über alle lebensverachtenden Kräfte! Unter diesem „Hut“ dürfen wir uns zu allen Zeiten wissen. Das stärkt uns den Rücken, verleiht uns Kraft für die Dinge, die vor uns liegen. Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) lädt jeden Abend um 19 Uhr beim „Balkonsingen“ dazu ein, das alt bekannte Lied „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Kennen Sie den Text dieses Liedes, das so viel Gottvertrauen ausstrahlt? Da ist die Rede von der Welt als „einer Kammer“, in der wir des „Tages Jammer vergessen und verschlafen“ dürfen. Und das Lied ermutigt dazu, mehr zu sehen als das, was gerade für jeden sichtbar ist. Es gibt Hoffnung: Der Mond ist doch rund und schön. Vielleicht entdecken Sie selbst in diesem Lied noch viel mehr, was uns in diesen Tagen Hoffnung machen kann? Seien Sie „behütet“ in diesen Tagen vor Ostern!

Agnes Weishaupt, Pfrin.

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Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.

So sangen wir im Frauenkreis vor über 20 Jahren. Wenn dann noch die Stimme von                       Schwester Sabine einfiel, die sich gerade aus der Küche einen Kaffee holte, ging mir das Herz auf.        

Alte Kamellen, Schnee von gestern? Ich glaube nicht.

In dem Lied heißt es unter anderem: Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb, nehmen mich gefangen, jagen mich.

Hast und Eile, nicht in diesen Tagen: Wenn ich in diesen Tagen einkaufen gehe, begegnet mir eher gespenstische Ruhe auf Straße und in Lebensmittelläden.                                                            Zeitnot:                                                                                                                                   JA, wenn ich daran denke, wie schnell sich das Virus ausbreiten kann und es vielfach schon tut.  Reicht unsere Zeit, damit in den Krankenhäusern alles vorbereitet ist, wenn es wirklich noch schlimmer kommt? Ist rechtzeitig für Schutzkleidung und Desinfektionsmittel gesorgt, damit Arztpraxen nicht schließen müssen?

Gelingt es, die Kurve abzuflachen?                                                    

NEIN, wenn auf einmal viele Termine wegfallen und ich erst einmal lernen muss (darf), diese gewonnene Zeit zu füllen. Ist es nicht merkwürdig, auf einmal Zeit zu haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen? Da tauchen dann schon mal Fragen auf, die sonst im Alltag untergehen und die ich gerne zur Seite schieben würde.

Der Refrain des oben zitierten Liedes geht so weiter:    

Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden,                                                                                                gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir!

Das wünsche ich Ihnen und mir:

Geborgenheit in Gott und ein festes Herz

Seien Sie gesegnet!

 

Hermengild Launhardt

aus "Extrablatt" der Mittelschwäbischen Nachrichten - 01.04.2020

 

Fastenzeit…

 

…ist es gerade. Auch wenn kaum jemand die alte Tradition noch wahrnimmt. Selbst wir „Kirchlichen“  vergessen – sie derzeit ohne Gottesdienste fast – die Fastenzeit.

Nach Fasching begann sonst der Verzichtzeit bis Ostern.  Diesmal begann was anderes: Die Corona Krise. Keiner dachte mehr ans Fasten. Aber: Ein kleiner Virus zwingt uns alle zur Besinnung - hinein in eine allgemeine Fastenzeit:  Er beschränkt unsere freien Ausgang auszugehen. Wir fasten den Treff mit Freunden. Wir fasten Oma und Opa zu besuchen. Wir fasten das Shopping im Schuhladen oder im Heimwerkermarkt. Wir verzichten auf den Lokalbesuch. Wir fasten Ausflügen und Urlaubsreisen. Schüler fasten an der Klassengemeinschaft und erleben solistisch Online - Hausaufgaben. Kinder fasten am Kontakt mit anderen kitakids. –

„7 Wochen ohne“ heißt die moderne Fastenzeit der evangelischen Kirche seit Jahren. Ihr heuriges Motto dürfte uns – entschuldigen sie liebe Leserin den unchristlichen Ausdruck – „Verdammt schwer“ fallen: „7 Wochen ohne Pessimismus“ – Drehen wir es einfach einmal um: „7 Wochen mit Optimismus“. Sagen wir mal ein wenig entschärfter „ mit Zuversicht“. Dann geht es schon eher – denn jeder Fasten - Verzicht gebiert ein kleines Vor – Ostern: Nichts tun müssen und einfach die Frühlingssonne still genießen, intensiv mit meinen Kindern spielen und mich auf sie einlassen, mit nur Lebensmitteleinkäufen zurecht zu kommen, den Segen .eines  Partners als Geschenk  neu entdecken, viel mit vielen zu telefonieren und so doch Nähe und Gemeinschaft zu erleben. Mal wieder mit Gott über eigene Ängste reden. Ich entdecke mich und uns uns neu.
In diesem Sinne - jetzt schon – ein gesegnetes Osterfest!

 

Pfarrer Eugen Ritter
 

Was mir (nicht nur) in der Corona –Krise hilft

Ich muss gestehen, als  meine Chefin am 13. März meinte, dass die Schulen vielleicht bald schließen würden (ich arbeite in der OGTS in der Grundschule) fand ich das ein wenig übertrieben. „Panikmache,“ dachte ich

3 Tage später waren alle Schulen in Bayern geschlossen.

Auf einmal kroch ein merkwürdiges Gefühl in mir hoch: Unsicherheit machte sich breit. Dieses Gefühl verstärkte sich noch mit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen. Ich, die Planerin in der Familie, die gerne Termine einträgt und plant, diese vielfach auch noch im Kopf hat, musste auf einmal Termine streichen!! Dazu gehörten auch eine Seminarwoche im April, und ein Urlaub am Gardasee mit meiner Tochter im Mai. Alle Planungssicherheit dahin!

Da tauchte sie wieder auf die alte Frage, die mich wohl mein Leben lang beschäftigen wird:  Auf wen, oder was vertraue ich? Was ist mein Fundament? Wer gibt mir Kraft?

Als ich neulich nachts wach lag und so gar nicht zur Ruhe kommen konnte, fiel mir eine            Gewohnheit ein, die ein wenig in Vergessenheit geraten war:

An jedem Tag wollte ich Gott für 10 Dinge danken.                                                 

Also begann ich zu danken: Für das Dach über meinem Kopf, für meinen Mann, für meine Kinder, dafür dass ich Lebensmittel einkaufen kann, für die Möglichkeit zu beten, und, und, und…                 Das brachte mich zur Ruhe und mein Blick wurde auf den gelenkt, der uns trägt.

Wie ist es? Machen Sie mit? Für wen oder was können Sie Gott danken.

Denn: Danken schützt vor Wanken und: Loben zieht nach oben!

 

Hermengild Launhardt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild Karoline Hock

Frühling heißt Aufbruch

 

Nein, die Wahrheit ist

Dass dieser Frühling nur beunruhigend und verunsichernd ist

Ich glaube nicht

Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann

Dass ich den Weg nach Innen finde

Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt

Es ist doch so

Dass das Virus rast

Ich weigere mich zu glauben

Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint

Es ist doch ganz klar

Dass Vertrauen fehlt

Ich kann unmöglich glauben

Nichts wird sich verändern

Es wäre gelogen, würde ich sagen

Miteinander schaffen wir das.

 

Und nun lest den Text von unten nach oben!

 

Karoline Hock in Anlehnung an: Iris Macke

Perspektivwechsel bei ANDERE ZEITEN

 

 

 

 

 

Wir sind für Sie da

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